Gesundheit & Genetik

Ein gesunder Hund ist zum einen körperlich frei von ererbten wie auch erworbenen Krankheiten und Mängeln, zum anderen charakterlich einwandfrei, das heißt wesensfest, freundlich und aufgeschlossen gegenüber Mensch und Tier, ohne Aggression und ohne übertriebene Ängstlichkeit.

Um solche rundum gesunden Hunde zu züchten, bedarf es nicht nur der Liebe und Leidenschaft, sondern auch des Fachwissens darum, was gesund und was krank, was normal und was unnormal ist. Was die körperliche Gesundheit angeht, steht uns heute glücklicherweise mit zahlreichen Gentests die Möglichkeit zur Verfügung, bereits im Vorfeld, also schon beim Aussuchen der Elterntiere, entscheidende Weichen für die Gesundheit der Welpen zu stellen, indem wir Verpaarungen von Trägern (sog. Carrier) bestimmter Gendefekte, aus denen kranke Welpen hervorgehen könnten, von vorneherein ausschließen. Leider gibt es nicht für alle Erkrankungen derartige Tests, oft ist es allein deshalb schwierig, weil – wie bei der Hüftgelenksdysplasie und vermutlich auch bei der Epilepsie – mehrere Gene und/oder neben den genetischen noch andere Faktoren (Umwelteinflüsse, additiv wirkende Gene etc.) beteiligt sind.  

Auch was den Charakter betrifft, können bestimmte Merkmale - neben wichtigen Prägungs-, Sozialisierungs- und Erziehungseinflüssen - zu einem Teil weitervererbt werden, weshalb alle  in unserer Zucht eingesetzten Hunde einen umfangreichen Wesenstest (Mentaltest) bestehen müssen. Wir wünschen uns wesensfeste Familienhunde, das heißt ausgeglichene, selbstbewusste Partner mit einer hohen Reizschwelle. Die Grundlagen dafür legen wir in einer gewissenhaften Auswahl umfassend getesteter Elterntiere sowie in der bestmöglichen Prägung und Sozialisierung der Welpen unter Artgenossen und mit ihrer Umwelt.

Niemand kann natürlich sämtliche Krankheiten und Entwicklungen voraussagen. Aber da, wo es möglich ist, sollte alles getan (oder eben auch unterlassen) werden, um auf dem Weg zum gendefektfreien Collie ausschließlich erbgesunde Nachkommen zu züchten.

Was bedeutet nun Erbgesundheit genau? Und was sind die häufigsten Collie-Krankheiten?   An dieser Stelle einige Erläuterungen sowie eine Übersicht, die selbstverständlich kein Fachbuch ersetzen, aber dem besseren Verständnis dienen sollen.

Zunächst einmal muss man wissen, dass ein Welpe (wie ein Menschenkind auch) für ein bestimmtes Merkmal jeweils ein Gen von der Mutter und ein Gen vom Vater „erbt“. Wenn dieses Merkmal, wie im Falle bestimmter Erkrankungen, nur auf zwei Genen verankert ist, kann man also – wenn dieser Genstatus der Elterntiere untersucht und bekannt ist – sehr  genau die möglichen Kombinationen für den Welpen vorhersagen. Glücklicherweise ist es auch so, dass alle kranken Gene bei den uns bekannten Erbkrankheiten des Collies immer rezessiv sind, das heißt, sie können sich gegenüber einem immer dominanten gesunden Gen  nicht durchsetzen. Dies bedeutet, dass die Träger (Carrier) einer entsprechenden genetischen Erkrankung niemals selbst erkrankt sind. 

Am Beispiel der Progressiven Retinaatrophie (PRA), einer erblichen Augenerkrankung, sei dies hier einmal erklärt:

Ein Partner hat zwei gesunde Gene für die Progressive Retinaatrophie (PRA), wir schreiben: er ist PRA N/N (bzw. beim MDR1 Defekt +/+). Das bedeutet, er ist nicht nur klinisch frei von diesem Defekt, also nicht erkrankt, sondern er kann auch kein erkranktes Gen weitergeben – er ist Non-carrier (Nicht-Träger) dieses Defektes. Da er immer eines seiner beiden Gene an seine Nachkommen weitergibt, kann aus keiner Verpaarung, also nicht einmal dann, wenn der andere  Partner zwei kranke Gene hätte (PRA/PRA bzw. MDR1 -/-), ein erkrankter Welpe entstehen. Allerdings wären im letzteren Falle alle Nachkommen Träger (Carrier) dieses Defektes, weil ja vom erkrankten Elternteil in jedem Fall ein krankes Gen weitergegeben wird.                                       

Zweite Möglichkeit: Ein Partner ist Träger (Carrier) für PRA, also PRA  N/PRA. Das bedeutet, er ist selber nicht an PRA erkrankt und wird auch nicht erkranken. Er kann aber sein krankes Gen an seine Nachkommen weitergeben. Verpaart man ihn mit einem PRA Non-Carrier (PRA N/N), entstünden also mit  50%er Wahrscheinlichkeit Non Carrier (N/N) und mit 50%er Wahrscheinlichkeit Carrier(N/PRA).

Dritte Möglichkeit: Werden zwei Carrier (N/PRA) miteinander verpaart, entstehen mit 25%er Wahrscheinlichkeit gesunde Non Carrier N/N), mit 50% Carrier (N/PRA) und mit 25% von diesem Defekt betroffene Nachkommen (PRA/PRA).

Die vierte Möglichkeit, also eine Verpaarung betroffener Tiere  mit jeweils zwei kranken Genen, woraus ausschließlich erkrankte Welpen hervorgehen würden, verbietet sich natürlich von selbst. Sie sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, aber auch, um deutlich zu machen, wie ungeheuer wichtig bei allen Zuchthunden die Kenntnis der Genwerte für sämtliche testbaren Erbkrankheiten ist.

Welches sind diese rassespezifischen Erbkrankheiten beim Collie?  Hier seien die wichtigsten mit ihren zugehörigen Abkürzungen erklärt: 

Der MDR1 Defekt:

MDR1 steht für „Multidrug-Resistence-Transporter“. Es ist ein Gen, das für eine natürliche Barriere für Medikamente und giftige Substanzen aus dem Blut ins Gehirn und in andere wichtige Organe sorgt. Ein Defekt in diesem Gen hat zur Folge, dass bestimmte Substanzen ungehindert eindringen und schwere Vergiftungserscheinungen auslösen können, die therapeutisch nicht zu beeinflussen sind. Dieses äußert sich bei betroffenen Hunden in einer multiplen Arzneimittelunverträglichkeit. Die Gabe bestimmter Medikamente (v.a. Ivermectin, Doramectin, Moxidectin und Loperamid) kann lebensbedrohliche Folgen haben, die nicht selten zum Tode führen. (Die Universität Gießen hat auf ihrer Homepage eine aktuelle Liste mit den wichtigsten Medikamenten, die bei diesen MDR1 -/- Hunden unbedingt vermieden werden müssen, veröffentlicht.)  Bei Carriern (MDR1 +/-) ist der Schutz durch das MDR1-Protein zwar vorhanden, aber eingeschränkt, weshalb vorsichtshalber auch bei solchen Hunden auf bestimmte Medikamente verzichtet und Alternativpräparate, die es für jedes dieser Medikamente gibt, eingesetzt werden sollen. Pferdehalter sollten in jedem Falle aufpassen, da über den Pferdekot ausgeschiedene Entwurmungsmittel für diese Hunde, die wie die meisten ihrer Artgenossen allzu gerne Pferdeäpfel fressen, gefährlich sein können.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass der MDR1 Status des Hundes untersucht und sowohl seinem Besitzer als auch seinem Tierarzt bekannt ist – und das sollte bei JEDEM Collie (und allen anderen Hütehundrassen) der Fall sein!

CEA:

CEA, auch Collie Eye Anomalie genannt, ist eine der erblichen Augenkrankheiten des Collies, die sich in Veränderungen der Netzhaut äußert. Sie reicht von der mildesten Form, der Choroidale Hypoplasie (CEA-CH), die keinerlei Beeinträchtigung für den Hund mit sich bringt, über sogenannte Kolobome mit Ausbuchtungen der Netzhaut im Bereich des Sehnervs und leichten Sehfeldeinschränkungen bis hin zu schweren Gefäßveränderungen mit Einblutungen ins Auge, Netzhautablösung und nachfolgender Erblindung.                                                                                                                                      Die milde Form der CEA, die Choroidale Hypoplasie, ist eine harmlose Pigmentstörung der Netzhaut und noch relativ weit verbreitet. Obwohl sie die betroffenen Hunde in ihrer Sehkraft überhaupt nicht beeinträchtigt und oft im Erwachsenenalter sogar ganz verschwindet (sog. „go-normals“), können durch die Verpaarung zweier betroffener Hunde (CEA -/- mit CEA -/-) wieder schlimmere Formen der CEA entstehen. Deshalb soll auch sie in der Zukunft durch gezielte Zuchtlenkungsprogramme eliminiert werden. Eine Verpaarung von Carriern (N/CEA) mit betroffenen Hunden (CEA -/-) wird  bereits vermieden, um die Wahrscheinlichkeit von nicht erkrankten Carriern unter der Nachkommenschaft zu vermindern. Wichtig ist auch, alle Welpen im Alter von sechs bis acht Wochen von einem Augenfacharzt untersuchen zu lassen, da leichte Netzhautveränderungen später durch andere Pigmentüberlagerungen nicht mehr erkennbar sind oder eben verschwinden, aber auch solche „go-normals“ eine CEA durchaus weiter vererben würden.

PRA:

Die Progressive Retinaatrophie ist eine fortschreitende Netzhautablösung und ebenfalls eine erbliche Augenerkrankung. Sie betrifft immer beide Augen und führt durch die zunehmende Zerstörung der Photorezeptoren zunächst zur Nachtblindheit und mit etwa vier Jahren zur völligen Erblindung. Beim Collie werden alle Zuchthunde genetisch auf rcd2-PRA getestet bei Optigen in New York und ausschließlich Non Carrier miteinander oder Non Carrier mit Carriern verpaart, um die Geburt kranker Hunde gänzlich auszuschließen.

Erblicher Katarakt:

Bekannt unter dem Begriff „grauer Star“, kennt man diese die Sehkraft behindernde Linsentrübung auch beim Menschen. Zumeist ist sie eine Folge des Alters oder anderer äußerer Faktoren, jedoch tritt die genetisch bedingte Form auch schon im jungen Alter auf und wird deshalb bei allen Welpen vor der Abgabe vom Augenfacharzt mit untersucht.

DM:

Die degenerative Myelopathie ist eine schwere neurodegenerative Erkrankung, bei der es zu einer fortschreitenden Verkümmerung der langen Nervenbahnen im Rückenmark kommt. Sie betrifft nicht nur den Collie, sondern auch viele andere Rassen, tritt zumeist ab dem achten Lebensjahr auf und führt zu einer zunehmenden Lähmung der hinteren und später auch der vorderen Extremitäten mit gestörter Eigenwahrnehmung.  Die Ursachen sind noch nicht gänzlich geklärt. Das bei betroffenen Hunden gefundene mutierte SOD1-Gen scheint jedenfalls nicht allein verantwortlich zu sein für diese Erkrankung, dennoch gilt es als Hochrisikofaktor, und durch seine Eliminierung aus der Zucht lässt sich das Risiko für diese furchtbare Erkrankung wenigstens minimieren.

GCS:

Das Grey Collie Syndrom, auch Canine Cyclic Neutropenia oder Graues Collie Syndrom genannt, ist ein erblicher Stammzelldefekt, der nur beim Collie auftritt. In zyklischen Verläufen kommt es immer wieder zu einem Abfall der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen, Infektabwehr und Blutgerinnung sind  schwer gestört. Erkrankte Welpen sind von Geburt an unterentwickelt, haben eine auffallend graue Fellfarbe und leiden früh an Durchfällen und fieberhaften Infektionen und versterben in der Regel noch im Jugendalter. Auch was diese Erkrankung betrifft, muss mindestens ein Zuchtpartner Non-Carrier (GCS N/N) sein, um die Geburt erkrankter Welpen auszuschließen.

DMS:  Dermatomyositis - siehe unten!

WICHTIG noch einmal: In unserer Zuchtstätte werden ausschließlich Verpaarungen vorgenommen, bei denen mindestens ein Elternteil frei, das heißt Non-Carrier für MDR1, PRA, GCS und DM ist. Deshalb wird keiner der Welpen, die hier geboren werden, an einem dieser Defekte erkrankt sein, bzw. der Hochrisikofaktor für die DM wird bei allen Welpen ausgeschlossen sein. Letzteres gilt, seit spezifische neue Gentests zur Verfügung stehen, auch für die beiden Hochrisikofaktoren für die DMS.

Bei anderen erblichen Erkrankungen ist das Risiko anhand von Gentests nicht ganz so einfach einzuschätzen, da an ihrer Entstehung und Ausprägung mehrere Gene und zum Teil auch noch andere Faktoren beteiligt sind. Dazu gehören:

HD:

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine bei vielen großen Hunderassen gefürchtete erbliche Erkrankung, für die neben genetischen Faktoren allerdings auch Fehler in der Ernährung und der Haltung des Hundes (beispielsweise eine zu hohe Belastung der noch nicht ausgereiften Gelenke beim Welpen und Junghund)  verantwortlich sein können. Um trotz eines noch nicht zur Verfügung stehenden Gentests das Risiko einer Vererbung möglichst gering zu halten, werden alle Zuchthunde im Alter von 12 bis 15 Monaten röntgenologisch untersucht und exakt begutachtet. Dabei werden die Befunde in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

HD A : bedeutet HD frei, das Hüftgelenk ist vollkommen unauffällig.

HD B: bedeutet ebenfalls HD frei, es sind geringgradige Unregelmäßigkeit am Hüftgelenk erkennbar, die keine krankhafte Bedeutung haben.

HD C: bedeutet leichte HD, die Hüftgelenkspfanne umschließt den Hüftkopf nicht im gefordertem Maß, Kopf und Pfanne erscheinen nicht ganz gleichmäßig, mitunter sieht man bereits leichte entzündliche Veränderungen.

HD D: bedeutet mittlere HD, der Hüftkopf passt nicht in die ihn ungenügend umschließende Pfanne, wodurch Verrenkungen erkennbar sind sowie deutliche Entzündungszeichen an den Gelenkflächen.

HD E: bedeutet schwere HD, hier sind die Veränderungen sehr auffällig, die Pfanne ist abgeflacht, so dass der Hüftkopf luxieren, d.h. herausspringen kann und über den Rand reibt, es sind schwere entzündliche Gelenkveränderungen erkennbar.

Es versteht sich von selbst, dass für unsere Zucht ausschließlich HD-freie Hunde (HD A und HD B) eingesetzt werden. Darüber hinaus muss mindestens eines der Elterntiere einen HD A Befund nachweisen.

ED:

Die Ellenbogengelenksdysplasie ist eher selten beim Collie, dennoch werden alle Zuchthunde röntgenologisch untersucht und nur Hunde mit einwandfreiem Befund (ED 0) zur Zucht eingesetzt.

 

Für alle anderen vererbbaren Erkrankungen wie die Autoimmunerkrankung Lupus Erythematodes, die Epilepsie, aber auch Nabelbrüche, Skelettdeformitäten, Einhodigkeit und Zahnfehlstellungen gilt, dass Hunde, die eine dieser Krankheiten oder Mängel aufweisen, kategorisch von der Zucht ausgeschlossen sind. Gleiches gilt für Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität und/oder Überängstlichkeit.

 

Update Sept. 2016 zur Dermatomyositis (DMS):

 

Die Dermatomyositis ist eine - zum Glück seltene - entzündliche Autoimmun-erkrankung von Haut, Muskulatur und Blutgefäßen, die v.a. beim Sheltie, aber auch bei anderen collieartigen Rassen vorkommt. Sie tritt meist im Welpenalter zwischen 7 Wochen und 6 Monaten und in unterschiedlichen Ausprägungen - von harmlosen Pusteln und Hautläsionen bis hin zu Muskelschwund mit Lähmung der Kaumuskulatur - auf und kann auch zum Tode führen.

Bei ihrer Entstehung spielt neben Ursachen wie Stress, Traumata, Fehl-bzw. Mangelernährung auch eine genetische Disposition eine Rolle.

An der Clemson Universität in South Carolina/USA wurde nun ein neuer Gentest entwickelt, der es erlaubt, bezüglich der erblichen Komponente eine Risiko-Vorhersage zu machen und bei der Auswahl der Zuchttiere zu berücksichtigen.

Da unsere Zuchtstätte sich die Erhaltung und Verbesserung der Colliegesundheit als ein vorrangiges Zuchtziel gesetzt hat, beteiligen wir uns selbstverständlich an diesen Gentests, die hier kurz erklärt seien:

Getestet werden zwei genetische Hochrisikofaktoren, A und B genannt, die als Großbuchstaben (carrier) oder als Kleinbuchstaben (non carrier) vorkommen können. Aus der Kombination dieser Buchstaben lässt sich das genetische Risiko für den Hund abschätzen, an Dermatomyositis zu erkranken:                               So liegt das Risiko für Hunde, die entweder nur Kleinbuchstaben (aabb) aufweisen oder - wie die meisten - nur einen Großbuchstaben  (Aabb, aaBb) oder auch zwei verschiedene Großbuchstaben (AaBb) bei 0 bis 5 %. Für Hunde, die einen Großbuchstaben doppelt aufweisen (AAbb oder aaBB), liegt das Risiko bei 40 bis 50 % , und für Hunde mit drei oder vier Großbuchstaben sogar bei über 95 %.

Ziel muss es also sein, Zuchthund-Verpaarungen so auszuwählen, dass das genetische Risiko für die Welpen, an DMS zu erkranken, möglichst klein gehalten wird. Aus diesem Grunde sind in unserer Zuchtordnung  ab sofort Verpaarungen, aus denen Welpen mit drei Großbuchstaben entstehen könnten, ausgeschlossen.

 

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