Aufzucht

Vorsorge – fängt schon bei den Eltern an

 

Die beste Vorsorge für eine gesunde Entwicklung unserer Welpen ist die Auswahl gesunder, sowohl körperlich als auch auf alle testbaren Erbkrankheiten untersuchter und natürlich charakterlich einwandfreier Eltern.

 

Was die heute testbaren Erbkrankheiten angeht, wäre es naheliegend, ausschließlich  komplett von jedem Gendefekt freie Collies (Non-Carrier) in der Zucht einzusetzen, doch trotz allen züchterischen Engagements der vergangenen Jahre ist dieses bisher noch nicht möglich.  Ein wichtiger Grund liegt darin, dass  immer noch viel zu wenige Züchter ihre Hunde überhaupt auf Erbkrankheiten testen lassen, geschweige denn, diese bei ihren Verpaarungen berücksichtigen.

Für uns ist aber gerade der gesunde und gendefektfreie Collie das oberste Ziel unserer Zucht, und mit jeder Generation verantwortungsvoll gezogener Colliekinder kommen wir diesem erklärten Ideal ein Stück näher.

Bisher sind noch fast alle Collies Träger (Carrier) bestimmter Gendefekte, was bedeutet, dass sie selbst zwar nicht erkrankt sind, aber sehr wohl ein defektes Gen an ihre Nachkommen weitergeben können. Hier gilt es nun, die Elterntiere so auszuwählen, dass aus ihrer Verpaarung kein erkrankter Welpe hervorgehen kann. (Siehe dazu auch Wissenswertes – Gesundheit & Genetik).

 

Von unseren Zuchthunden ist deshalb der Genstatus sämtlicher testbarer Erbkrankheiten bekannt, zudem sind sie mehrfach tierärztlich untersucht, HD und ED frei, und sie haben einen umfassenden Mental-Test bestanden, bei dem ihre Gelassenheit in den verschiedensten, auch für sie ungewöhnlichen Situationen sowie ihr Jagdverhalten geprüft wird.

 

Inzest-Verpaarungen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Um dies sicherzustellen, werden von allen Hunden DNA-Profile und Abstammungsgutachten angefertigt. Darüber hinaus gibt der aus den Ahnentafeln über vier Generationen zu errechnende Ahnenverlustkoeffizient (AVK) Aufschluss über den Verwandtschaftsgrad der Elterntiere und muss stets über 80% liegen, was bedeutet, dass auch bei der Linienzucht die Anzahl unterschiedlicher Vorfahren nicht unter 80% liegen darf. So wird eine genetische Vielfalt sichergestellt und die Wahrscheinlichkeit, dass sich kranke Gene vererben, weiter minimiert.

 

Selbstverständlich ist, dass – nach dem Tierschutzgesetz verbotene – Doppel-Merle-Verpaarungen  ausgeschlossen sind. Dies sei an dieser Stelle nur erwähnt, weil solche Qualzuchten bei verantwortungslosen, unseriösen Züchtern leider immer noch vorkommen.  Bei einer Verdoppelung des Merle-Gens, eines Aufhellungs-Gens, das aus der Farbe tricolor die Farbe Blue Merle (fleckig aufgehelltes Schwarz) und aus der Farbe Sable die Farbe Sable Merle (fleckig aufgehelltes Sable) macht, käme es bei einem Viertel der Nachkommen zu schweren Missbildungen. Diese als „Weißtiger“ bezeichneten Hunde sind in der Regel geistig behindert, taub und blind, mit Missbildungen an Augen und Ohren, auffallenden Pigmentierungsstörungen und einer deutlich verringerten Lebenserwartung.     

                   

Last but not least müssen in unserem Zuchtverein nicht nur die Hunde, sondern auch die Menschen ihre Qualifikation für die Zucht durch ein intensives Seminar mit abschließender Züchterprüfung nachweisen.

 

 

Geburt - und was alles danach kommt

 

Die Vorsorge für eine gesunde Entwicklung der Hundekinder heißt im nächsten Schritt natürlich eine gut vorbereitete und überwachte Geburt. 

 

Mit einer exakt auf ihre Bedürfnisse während der Trächtigkeit abgestimmten Ernährung und Bewegung wird die Hündin optimal auf die Geburt vorbereitet. Mittels Ultraschall-Untersuchung und gegebenenfalls auch einer zusätzlichen Röntgenuntersuchung wird überprüft, wie viele Welpen in etwa zu erwarten sind und ob eventuell ein Kaiserschnitt einkalkuliert werden muss.

Rechtzeitig vor dem errechneten Geburtstermin wird die Hündin an die Wurfkiste gewöhnt, so dass sie diese als behagliche „Wurfhöhle“ annimmt. In dieser Zeit lasse ich die Hündin nicht mehr aus den Augen und schlage auch mein eigenes Nachtlager im Wohnzimmer neben der Wurfkiste auf, um da zu sein, wenn es „losgeht“ und der werdenden Mama jetzt Nähe und Sicherheit zu geben. Unser enger und vertrauter Kontakt gibt ihr das Vertrauen, das Kommende zu bewältigen.

In ruhiger Atmosphäre und mit meiner moralischen wie tatkräftigen Unterstützung werden die Welpen geboren und nacheinander von mir in Empfang genommen. Jeder wird genau untersucht und gewogen, wo nötig, werden die Atemwege frei gesaugt und der Nabel abgebunden. Dann erst wird er zu seiner Mutter gelegt, damit diese ihn durch ihr Lecken säubert, zum Trinken animiert und die noch nicht von selbst funktionierende Darm- und Blasentätigkeit anregt. Auf diese Weise wird keine Zeit verloren, bei Schwierigkeiten einzugreifen, und die Welpen lernen bereits mit ihrem ersten, noch zarten Geruchssinn (Augen und Ohren sind zu diesem Zeitpunkt noch verschlossen), dem Geruch des Menschen genauso zu vertrauen wie dem ihrer Mutter. 

   

Auch, wenn alle wohlauf sind und die Mutter in den ersten Wochen die Versorgung ihrer Welpen mit gefüllter Milchbar, Leckmassage zur Verdauungsstimulation sowie Entsorgung der kindlichen Hinterlassenschaften weitgehend alleine übernimmt, ist eine Rundum-Betreuung dringend geboten:

Die Hündin hat jetzt einen extrem hohen Energiebedarf und muss mehrmals am Tag mit hochwertigem Spezialfutter gefüttert werden. Die Welpen können ihre Körperwärme noch nicht selber steuern und brauchen eine konstante Umgebungstemperatur von 27 Grad, um agil zu bleiben. Oft entwickeln sie sich unterschiedlich schnell, und schwächere Welpen, die von bereits kräftigeren verdrängt werden, müssen immer wieder gezielt an die „besten“ Zitzen angelegt, ggf. auch mit der Flasche zugefüttert werden.

Es muss darauf geachtet werden, dass die Hündin alle Kinder gleichmäßig leckt, denn nur so können die Kleinen Kot und Urin absetzen.

Zudem ist in diesen ersten Lebenswochen die Gefahr noch groß, dass die noch unbeholfen nach Wärme suchenden Welpen unter eine Decke rutschen oder sogar vom Körpergewicht ihrer Mutter versehentlich erdrückt werden. Hier werden natürlich Vorsichtsmaßnahmen getroffen, aber es muss dennoch jederzeit  sofort eingegriffen werden können. 

 

Wenn bei den Welpen der MDR1 Status nicht bekannt ist (was der Fall ist, wenn mindestens ein Elternteil MDR1 +/- ist, siehe dazu auch Wissenswertes – Gesundheit & Genetik) und /oder die Kenntnis anderer Genwerte vonnöten oder gewünscht ist, werden  Schleimhautabstriche an der Wangeninnenseite der Kleinen gemacht und an die entsprechenden Labore (Laboklin bzw. Optigen, New York) eingesandt. Gleiches erfolgt für das DNA-Profil und den genetischen Abstammungsnachweis eines jeden Welpen.

 

Wenn nach ca. 14 Tagen  Augen und Ohren der Welpen sich öffnen, sie ihre Körperwärme selber regulieren und auch selbstständig Kot und Urin absetzen können, werden sie das erste Mal mit einem speziell für Welpen entwickelten Wurmmittel entwurmt. Da die Kleinen bereits mit der Muttermilch  Wurmeier aufnehmen können, wird die Entwurmung mit unterschiedlichen Präparaten bis zu ihrer ersten Impfung 14-tägig wiederholt.

 

Ab einem Alter von etwa vier Wochen bekommen die Welpen zusätzlich eine spezielle Welpennahrung, die Milchproduktion der Mama geht  allmählich zurück. Sie frisst jetzt nicht mehr die natürlich auch stetig größer werdenden Häufchen ihrer Kinder, und es beginnt für Züchter und Waschmaschine eine arbeitsintensive Zeit. Ab der fünften Woche wird die Hündin langsam ganz abgestillt.

 

Im Alter zwischen sechs und acht Wochen werden alle Welpen eingeladen zu ihrer ersten größeren Ausfahrt, denn es geht zum tierärztlichen Spezialisten für Augenheilkunde, der Mitglied des Dortmunder Ophtalmologen-Kreises (DOK) sein muss. Dort werden sie auf alle,  v.a. auf die erblichen Augenkrankheiten (CEA, PRA und Katarakt) untersucht und erhalten bei dieser Gelegenheit auch ihren Mikrochip.

Mit acht Wochen werden die Welpen dann noch einmal tierärztlich untersucht, bekommen ihr Gesundheitszeugnis sowie ihre erste Impfung gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose und Virushusten.

Wenn das alles geschehen ist, macht ein Zuchtwart unseres Zuchtvereins die offizielle Wurfabnahme, bei der die Entwicklung aller Welpen sowie Zustand und Ausstattung der Zuchtstätte begutachtet und in einem Wurfabnahmeprotokoll festgehalten werden. Letzteres wird den Welpenkäufern mit der Übergabe aller anderen Dokumente wie Augenarztbefund, Gentests, Abstammungsgutachten, EU-Pass und aktuellem Gesundheitszeugnis selbstverständlich vorgelegt (siehe dazu auch unter Welpen – Vermittlung).

 

 

Sozialisation und Prägung – zwei große Begriffe

 

Die Welpen machen in ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durch. 

 

In der ersten neonatalen (vegetativen) Phase, die ca. 14 Tage dauert, sind Augen und Ohren noch verschlossen, der Geruchssinn ist erst wenig ausgeprägt, und die Welpen orientieren sich nur danach, wo sie Wärme finden. Sie können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren, ebenso wenig ihre Blasen- und Darmtätigkeit. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Umgebungstemperatur bei

27 Grad gehalten wird und dass ihre Mutter sie leckend massiert, um Kot und Urin absetzen zu können. Ihre weitgehend fehlenden Sinne „schützen“ sie in diesen ersten beiden Lebenswochen quasi noch gegen alle anderen Umweltreize. 

 

In der dritten Woche öffnen sich Augen und Ohren, und die Welpen beginnen, ihre Geschwister sowie die nähere Umgebung wahrzunehmen und neugierig zu werden. Sie können jetzt auch ihre Körperwärme regulieren und selbstständig Kot und Urin absetzen. 

 

Ab der vierten Woche beginnt die sogenannte sensible Phase, die etwa bis zur 16. Woche dauert und die die wichtigste Zeit für die Interaktion der Hundekinder mit der Umwelt, für Prägung und Sozialisation umfasst. Diese Zeit ist entscheidend für ihr weiteres Leben, und es gilt, möglichst viel „in den Pool der Gelassenheit zu legen“, was die Welpen erleben.

Wir unterscheiden dabei die Prägungs- und die Sozialisierungsphase.

 

In der Prägungsphase, von der 4. bis 7. Lebenswoche, nehmen die Welpen ihre Umwelt bewusst wahr und beginnen ihren Rang unter den Wurfgeschwistern im Spiel mit ihnen auszutesten. Sie entwickeln Persönlichkeit und Temperament und „saugen“ alle Eindrücke aus ihrer Umgebung förmlich auf. Was sie in dieser Zeit an Erlebnissen, verschiedenen Geräuschen und optischen Eindrücken gut verarbeiten, werden sie in ihrem späteren Leben als „ganz normal“ empfinden.

Als Züchter legen wir in dieser Phase also ganz wesentliche Grundlagen für ein späteres angstfreies Hundeleben:

Sowohl im Haus als auch in einem großen, teils überdachten Außenbereich bieten wir ihnen nach und nach verschiedene Spielzeuge und -geräte an wie  Schaukel und Wippe, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren, Bällebad und Tunnel zur Schulung der Motorik, sowie unterschiedliche Untergründe (Beton, Holz, Sand, Rasen, Gitterrost, Fliesen), um die Welpen an das Laufen auf verschiedenen Böden zu gewöhnen. Sie lernen Zäune kennen und zu akzeptieren, flatternde Bänder und knatternde Geräusche, die sie erkunden und als harmlos „befinden“ können. Jederzeit stehen ihnen dabei Rückzugsmöglichkeiten in Form von Höhlen und Hundebetten zur Verfügung. Desweiteren lernen sie nun nacheinander die anderen Rudel- und Familienmitglieder kennen wie die erwachsenen Hunde, die Katzen, Ponys und Schafe. Auch freundliche menschliche Besucher sind jetzt willkommen, verschiedene Stimmen, Gesichter, Kleidung, Regenschirme etc.. Sie lernen den Staubsauger kennen, alle Alltagsgeräusche im Haus, im Sommer den Rasenmäher u.v.m., und wir üben jetzt auch schon das Auto fahren. 

 

Wichtig ist neben der Sozialisation durch den Menschen und der Gewöhnung (Habituation) an Alltags-und Umweltreize, auch das sogenannteTradieren, d.h. die Sozialisation der Welpen durch die Mutterhündin:

Hundekinder orientieren sich in ihrem Verhalten sehr stark an dem ihrer Mutter, weshalb es wichtig ist, dafür zu sorgen, dass diese entspannt und unaufgeregt ist. (Grundlage dafür haben wir ja bereits bei der Auswahl der Zuchthündin mit einer absolvierten Gelassenheitsprüfung gelegt.)

 

In der Sozialisierungsphase, von der 8. bis 16. Woche, wird das Neugierverhalten der Welpen nach und nach überlagert durch das aufkommende Angstverhalten, sie beginnen zu „fremdeln“. In diese Zeit fällt in aller Regel der Auszug der Welpen zu ihren neuen Besitzern.  Neue Umgebungen, neue menschliche und tierische Familienmitglieder treten in ihr Leben, und es wird immer etwas geben, auf was wir sie nicht vorbereiten konnten und was sie vielleicht unsicher macht. Es ist nun sehr wichtig, dass die neue Bezugsperson sich dem Welpen gegenüber genauso verhält, wie die Mutterhündin es auch täte: Der Welpe muss in Situationen, die ihn unsicher oder ängstlich machen, bei ihr/ihm Schutz suchen können, sollte jedoch keinesfalls durch übertriebene Zuwendung in seinem ängstlichen Verhalten bestärkt werden.

Es ist aber auch die Zeit, in der die Welpen ihren Rangordnungsplatz nicht mehr nur innerhalb ihrer Geschwister und ihres Rudels auf die Probe stellen, sondern auch innerhalb ihrer menschlichen Familie. Das bedeutet, es ist jetzt von größter Wichtigkeit, dem süßen und so niedlich frechen Hundekind seine Grenzen aufzuzeigen. Es muss Respekt vor dem Menschen lernen, was beispielsweise schon damit anfängt, ihm, auch wenn es (anfangs!) noch so entzückend sein mag, nicht zu erlauben, an der Kleidung zu zerren oder den Menschen zu beknabbern. Früh, liebevoll und konsequent begonnen und fortgeführt, ist Erziehung nicht schwer, gut geprägte Welpen sind lernbegierig und wollen alles richtig machen. Erziehen hat auch nichts mit „Dressieren“ zu tun, sondern legt die Grundlage für ein glückliches, unbeschwertes Miteinander im Alltag.

Ein gut erzogener Hund hat ein Maximum an Freiheit!

Immer, besonders aber am Anfang, gilt:  Liebevolle Konsequenz heißt das Zauberwort. Liebevoll – mit viel, viel Lob erwünschtes Verhalten bestärken, mit sanftem, aber deutlichem Tadel nicht Erwünschtes unattraktiv machen. Konsequenz – immer gleiche Regeln, aufmerksam, klar und eindeutig in jeder Situation, ohne Ausnahmen, und zwar von jedem Familienmitglied. Das Ziel muss sein, dem noch so süßen Hundekind klar zu machen, dass es das letzte Glied in der Familienrangordnung ist, auch NACH den Kindern. Es wird dadurch keineswegs unglücklich, sondern ganz im Gegenteil: diese Rangordnungszuweisung gibt ihm Ruhe und Sicherheit in seinem Rudel, und es bindet sich immer mehr an seinen, von ihm als Rudelführer anerkannten Menschen. (Diese Rangordnung wird bis zum Ende der Reifungsphase mit etwa anderthalb Jahren gerne immer wieder mal hinterfragt, was mit immer gleicher liebevoller Konsequenz beantwortet werden muss.)

 

Zusammengefasst:  Wir tun in unserer Zuchtstätte das nach heutigem wissenschaftlichem und tiermedizinischem Kenntnisstand Bestmögliche, damit alle unsere Welpen rundum gesund und charakterlich optimal  vorbereitet sind, wenn sie in ihre neuen Familien ziehen. Wir legen die Grundlage, dass sie ein hoffentlich langes Hundeleben lang fröhliche, selbstbewusste und ausgeglichene Partner sind. Dennoch kann niemand natürlich alle Krankheiten und Entwicklungen vorhersagen. Nicht zuletzt sind auch Sie, die neuen Besitzer, gefragt, mit viel Liebe, konsequenter Erziehung und ausreichender körperlicher wie geistiger Beschäftigung eine lebenslange Bindung zu Ihrem Hund aufzubauen. (Siehe auch Wissenswertes - Fürsorge und Verantwortung).

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